• Mittwoch, 17. Januar 2018
Solar Roadways

Foto: Solar Roadways / Sam Cornett

Solarstraßen aus den USA

Umweltfreundliche Alleskönner oder verrückte Idee?

Straßen, die nicht nur dazu da sind, um befahren zu werden – die Vision eines Ehepaares aus den USA schlägt derzeit hohe Wellen. Die „Solar Roadways“ von Julie und Scott Brusaw versprechen die Lösung von Umwelt- und Verkehrsproblemen. Die Pläne für ihre Solarstraßen sind bereits konkret und scheinen auch technisch ausgereift – die Bewährungsprobe steht allerdings noch aus.

Eine Straße, die Strom erzeugt, vor Wildwechsel und Hindernissen warnt und nebenbei auch noch Elektroautos lädt – das klingt nach einer futuristischen Idee. Allerdings behauptet das Ehepaar Bursaw aus den USA, dass diese Idee bereits jetzt umsetzbar ist. Scott Bursaw ist Techniker und tüftelt schon seit Jahren an den „Solar Roadways“ und präsentiert nun der Öffentlichkeit sein Konzept: Eine Straße aus drei Schichten, bei der jede hochfunktional und leistungsstark ist.

Die oberste Ebene besteht aus Glas-Hexagonen, welche nicht nur großen Lasten Stand halten, sondern auch mit LED-Leuchten für Bodenmarkierungen und Warnsignale sorgen. Zusätzlich ist dieses Glas auch mit einer Heizfunktion versehen, um Schnee zu schmelzen. Die darunterliegende Ebene besteht aus Photovoltaikzellen, die den Strom generieren. Die dritte Schicht sorgt für die elektronische Steuerung und leitet den Strom zu den Speichern. Das Besondere: Alle drei Schichten kommunizieren untereinander.

Die „Solar Roadways“ haben dank dieses intelligenten Systems nicht nur die Funktion der Stromerzeugung. Durch die LED-Zellen wird nicht nur die Bodenmarkierung erstellt, auch Warnsignale, Tempobeschränkungen und Kennzeichnungen sind direkt auf der Fahrbahn möglich. Zusätzlich ist der Belag sensibel genug, um Hindernisse wie umgestürzte Bäume, Wildwechsel oder Gesteinsbrocken zu erfassen und die Information weiterzugeben. Zusätzlich leitet der Belag auch Strom und kann so gleich als Ladestation für Elektroautos genutzt werden – was das Problem der geringeren Reichweite von Elektrofahrzeugen eliminieren würde.

Scott Bursaw behauptet, wenn jede Autobahn der USA mit seiner Technologie ausgestattet wäre, könnte man den Landesbedarf gleich drei Mal decken. Einzelne Module können ganz einfach getauscht werden, ohne die Straße aufzureißen. Natürlich ist der Bau der „Solar Roadways“ aber nicht billig. Er kostet das Dreifache einer normalen Asphaltsraße. Laut den Bursaws wäre das allerdings eine Investition, die sich schnell rechnen würde. Zuerst soll die Errichtung durch den erzeugten Strom finanziell ausgeglichen werden, danach würden sich die „Solar Roadways“ praktisch von selbst finanzieren.

Grundsätzlich eine raffinierte Idee – aber wie realistisch ist die Umsetzung wirklich? Bisher steht die Bewährungsprobe noch aus. Die Bursaws selbst haben bereits mit der Bebauung einer Testfläche begonnen, vollendet ist sie allerdings noch nicht. Ein etwa 40 Quadratmeter großer Parkplatz soll zu hundert Prozent mit den Modulen belegt werden. Erst dann kann man abschätzen, wie realistisch das Projekt wirklich ist. Ein weiterer Kritikpunkt: Die Module liegen flach auf dem Boden – die exakte Ausrichtung nach dem Sonnenstand fehlt. Daher kann die Stromerzeugung nicht zu 100 Prozent effizient sein.

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