• Mittwoch, 17. Januar 2018
Foto: CEZ, AKW Temelin
Foto: CEZ, AKW Temelin

Stopp für den Ausbau des Atomkraftwerkes Temelin

Die Regierung der Tschechischen Republik entschied am 9. April den Ausbau des Kernkraftwerkes Temelín nicht über staatlich garantierte Abnahmepreise für Atomstrom zu subventionieren. Die Ausbaupläne sind vorerst gestoppt.

Der tschechische Energiekonzern CEZ hat am Mittwoch die seit 2009 laufende Ausschreibung für den Bau eines dritten und vierten Blocks in dem 60 Kilometer von der österreichischen Grenze entfernten Atomkraftwerk Temelin beendet. Grund dafür seien Zweifel an der Rentabilität des Projektes, wie CEZ-Sprecher Ladislav Kriz am Donnerstag mitteilte. Seit der ersten Ausschreibung habe es im Bereich des Energiesektors turbulente Entwicklungen gegeben, berichtete CEZ-Chef Daniel Benes am selben Tag. „Während das Projekt ursprünglich angesichts des Strommarktpreises und weiterer Faktoren völlig wirtschaftlich rentabel war, sind heute alle Investitionen in die Stromquellen, deren Erträge vom Verkauf des Stroms auf dem freien Markt abhängig sind, gefährdet“, betonte er. Folglich sei der Ausbau des Kernkraftwerkes Temelin nur mit staatlicher Unterstützung möglich und die wurde von der Regierung des Sozialdemokraten Bohuslav Sobotka, angesichts des unberechenbaren Stromweltmarktes, definitiv verweigert.

Foto: CEZ, AKW Temelin
Foto: CEZ, AKW Temelin

Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen

„Die Entscheidung der Regierung bedeutet aber nicht das Ende des Ausbaus atomarer Energiequellen in Tschechien“, so CEZ-Chef Benes. Er betont weiterhin die Gefahr, dass Tschechien in 20 Jahren nicht im Stande sein wird, den Stromverbrauch der Bevölkerung zu decken. „Wir müssen nur unsere Pläne den Änderungen anpassen, die nun in Brüssel vorbereitet werden. Es ist offensichtlich, dass man künftig bei der Sicherung der Weiterentwicklung der Atomenergieindustrie eng mit dem Staat kooperieren wird müssen“, fügte Benes hinzu.

Österreich hingegen verstärkt durch die aktuellen Entwicklungen in Tschechien seinen Kampf gegen Atomkraft. Oberösterreichs Vorreiter der Anti-Temelin-Kämpfer, Umwelt-Landesrat Rudi Anschober, zeigt sich ermutigt: „Der nun angekündigte Rückzug aus dem Tenderverfahren ist ein großer Etappensieg, der beweist, dass sich unsere unermüdliche Arbeit auszahlt.“ Anschober warnt jedoch eindringlich davor, jetzt beim Widerstand nachzulassen und sich in falscher Sicherheit zu wiegen. „Jetzt müssen wir mit diesem Etappensieg im Rücken unser Engagement weiter verstärken, um ein endgültiges Aus zu erreichen“, betont Anschober. Geplant seien konsequente weitere Verstärkung der Informationsarbeit in Tschechien und die EU-Wettbewerbskommission weiterhin darauf zu drängen, die geplante Milliardensubvention für neue AKW grundsätzlich zu untersagen.

Nach Ansicht der 2. Landtagspräsidentin Frau Gerda Weichsler-Hauer ist der Einsatz von Kostenwahrheit bei AKW umso wichtiger geworden. „Würden die AKW-Betreiber für all das bezahlen müssen, was sie der Gesellschaft an Kosten und Risiko zumuten, dann gäbe es keine Atomenergie. Weil aber nach wie vor hohe Fördersummen auf direktem und indirektem Weg fließen, ist Atomenergie noch in vielen europäischen Ländern Realität“, erklärt Weichsler-Hauer.

Roland Egger und Gabriele Schweiger von atomstopp_oberoesterreich zeigten sich überzeugt, dass die Prager Entscheidung Auswirkungen auf das Prüfverfahren der EU-Kommission zu den von Großbritannien überlegten Subventionen haben werde. „Atomkraft rechnet sich nicht, ohne staatliche Unterstützung können keine AKW mehr gebaut werden“, so Egger und Schweiger.

 

Verwandte Artikel