• Mittwoch, 17. Januar 2018
Sonnenkraftwerk Ivanpah, Quelle: BrightSource Energy
Sonnenkraftwerk Ivanpah, Quelle: BrightSource Energy

Weltgrößtes Solarturmkraftwerk in Betrieb

Das Projekt ist an Superlativen kaum zu überbieten: Auf 16 Quadratkilometern wurde ein Sonnenwärmekraftwerk errichtet, das mit 347.000 Spiegeln rund 140.000 US-Haushalte versorgen kann. Dabei ist nicht alles Gold, was glänzt.

Wer auf der Interstate 15 einmal von Los Angeles in die Casino-Stadt Las Vegas fahren sollte, kann das weltweit größte Solarturmkraftwerk nicht übersehen. Wie ein See aus glitzernden und schimmernden Spiegeln präsentiert sich das Prestigeprojekt ‚Ivanpah’, rund 80 Kilometer südwestlich von Las Vegas in der kalifornischen Mojave-Wüste.

Die Anlage besteht aus drei jeweils 140 Meter hohen Türmen, um die in konzentrischen Kreisen mehr als 340.000 Spiegel (Heliostaten) angeordnet sind. Mit einer Leistung von 396 MW zählt ‚Ivanpah’ zum größten Solarkraftwerk der Welt. Es liefert für rund 140.000 amerikanische Haushalte Strom und wird in seiner 30-jährigen Laufzeit 13,5 Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxid einsparen, einem Ausstoß von ca. 2 Millionen Autos.

Das Prinzip von Solarturmkraftwerken

In der Mitte der drei Spiegelfelder steht ein jeweils 140 Meter hoher Turm, der mit einem wassergefüllten Boiler ausgestattet ist. Die ihn umkreisenden Spiegeln werden mittels Software ständig so ausgerichtet, dass sie die Sonnenstrahlen bündeln und optimal auf den Boiler richten. Ein jeder der 347.000 Heliostaten ist so groß wie ein Garagentor und sorgt dafür, dass sich das Wasser im Boiler stark erhitzt. An den Turmspitzen entstehen dabei Temperaturen zwischen 800 und 1000 Grad Celsius. Das Wasser in dem Boiler verdampft und wird durch Rohre zu einer Turbine weitergeleitet, die elektrische Energie erzeugt.

Quelle: BrightSource Energy
Quelle: BrightSource Energy

‚Ivanpah’ wird von den Konzernen NRG Solar, BrightSource Energy und Google betrieben. Baubeginn des Prestigeprojekts war im Oktober 2010 und Mitte Februar dieses Jahres konnte der erste Bauabschnitt in Betrieb genommen werden. Sonnentürme gehören zu den solarthermischen Kraftwerken und galten lange Zeit als günstige Alternative zu Photovoltaik-Anlagen, ehe die Massenproduktion der PV-Panels die Solarzellen so günstig machte, dass auch damit ähnlich leistungsstarke Anlagen möglich sind. Ein besonderer Vorteil von Solarturmkraftwerken liegt auch darin, dass ein Teil der Wärme gespeichert wird, um auch in den Nachstunden Strom produzieren zu können.

Das Energieprojekt wurde durch großzügige staatliche Investitionen in Milliardenhöhe ermöglicht. Rund 1,6 Mrd US-Dollar soll der Staat als Darlehen vergeben haben. Hinzu kommen jeweils etwa 170 Mio. US-Dollar von BrightSource Energy und Google.

Wehrmutstropfen an dem Großprojekt, die den erzeugten Ökostrom nicht mehr gänzlich makellos erscheinen lassen: Auf dem 16 Quadratkilometer großen Gelände mussten die Tier- und Pflanzenbestände dem Kraftwerk weichen und es mehren sich die Berichte über tote Vögel, die den gebündelten Sonnenstrahlen zum Opfer fielen.

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