• Mittwoch, 17. Januar 2018

Zukunftsrisiko “Nichtnachhaltigkeit”

 

Zukunftsrisiko „Nichtnachhaltigkeit“

Ein Gebäude, das nicht gewissen Nachhaltigkeitskriterien entspricht, ist nicht nur unattraktiv, sondern auch ein hohes wirtschaftliches Risiko. So klingt der Tenor aus den Reihen des nachhaltigen Hausbaus.

Anfang März diesen Jahres war Thomas Lützkendorf, Leiter des Lehrstuhles Ökonomie und Ökologie des Wohnungsbaus am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), zu Gast bei der Wienerberger Sustainable Building Academy (WISBA) an der TU Wien. In einer Diskussionsrunde sprach der Experte über die Verbindung zwischen Ökonomie und Ökologie beim Bau eines neuen Hauses. Dabei betonte Lützkendorf wie wichtig es sei, dass alle Beteiligten zur Umsetzung von Prinzipien nachhaltigen Bauens beitragen. Dabei gelte es, vom Investor bis hin zum Bauherr, fundierte Informationen über das Verhalten von energieoptimierten Gebäuden zu den langfristigen Kosten für Nutzung und Bewirtschaftung zu gewinnen. „Es geht darum bauliche Qualität in ökonomische Vorteilhaftigkeit zu übersetzen“, erklärt Lützkendorf.

Ökonomisierung der Ökologie

Beim Bau des Eigenheims steht der Kostenfaktor in der Regel an erster Stelle. So wird bei der Architektur und Hülle des Gebäudes gespart. Thomas Lützkendorf aber rät, zuerst in die Gebäudestruktur und dann in die Innenausstattung zu investieren. Bis vor Kurzem gab es beim Thema Hausbau zwei Seiten: Die Eine war ökonomisch und die Andere ökologisch orientiert. Diese Grenzen gehen immer mehr ineinander über und der Häuslbauer von heute erwägt sowohl eine umwelt-, als auch wirtschaftlich verträgliche Lösung. Der Wissenschaftler bezeichnet diesen Trend als „Ökonomisierung der Ökologie“ also Nachhaltigkeit zu vernünftigen Kosten. „Das Haus kann eine hochwertige Innenausstattung haben, wie etwa Parkettboden und teure Fliesen – oder ich investiere in Haustechnik und in eine energetisch optimierte Gebäudehülle. Wenn ich mich für Letzteres entscheide, kann ich die ökologischen Maßnahmen auch im üblichen Kostenrahmen realisieren“, erklärt der Wissenschaftler. Das Argument, dass viele Kunden gewisse Standards gewöhnt seien und sich in den eigenen vier Wänden nur mit der richtigen Ausstattung wohlfühlen, dementiert der Experte mit einer einfachen Aussage: „Die Innenausstattung kann man jederzeit nachrüsten. Das kann auch ein oder zwei Jahre warten. Bei der Haustechnik und Grundsubstanz des Hauses ist so etwas nicht möglich.“

Der österreichische Durchschnittsbürger gibt im Schnitt 33 Prozent seines Einkommens fürs Wohnen aus. Bei der Investition in ein nachhaltiges Haus, handle es sich vor allem um verborgene Qualitäten wie Raumluftqualität, Heizkostenersparnis und thermischen Komfort, die dem Kunden schwer zu vermitteln seien. Nur eine gute Beratung sensibilisiere die Kunden für die Sinnhaftigkeit der ökologischen Investition, sagt Lützkendorf. Als Berater von Institutionen und Verbänden wie dem Bundesbauministerium wirkt er an der Entwicklung und Erprobung von Bewertungssystemen für die Nachhaltigkeit von Büro- und Wohnbauten mit.

Quelle:
http://www.pkm.kit.edu/kit_experten_luetzkendorf.php

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